Die Fairtrade-Standards gelten für alle wichtigen Interessengruppen und werden auch von ihnen gemeinsam entwickelt, also von den Produzentennetzwerken, den Kleinbäuer:innen und den Unternehmen. Darin werden alle Akteur:innen verpflichtet, entlang der Wertschöpfungskette soziale, ökologische und ökonomische Kriterien einzuhalten. Als Grundlage dienen schlicht die Menschenrechte.
Neue Fairtrade-Standards für den Kakaoanbau
Nun sind die Standards für den Kakaoanbau ergänzt worden, die in den nächsten zwei Jahren entlang der gesamten Wertschöpfungskette umgesetzt werden müssen.
Produzentenorganisationen sammeln dann Geodaten in ihren Kakaoanbaugebieten, damit Abholzungen besser nachvollzogen und verhindert werden können. Das entspricht im Übrigen auch den EU-Anforderungen. Darüber hinaus wollen sie ihre Mitglieder sensibilisieren und in klima- und umweltschonenden Produktionsverfahren schulen. Zusätzlich müssen sie effektivere Kontrollsysteme etablieren, um Fälle ausbeuterischer Kinderarbeit aufzudecken und zu verhindern.
Diese Maßnahmen sollen das Recht der Kleinbäuer:innen und Unternehmer auf einen angemessenen Lebensunterhalt weiter stärken.
Noch immer werden aus Wirtschaft und Politik heraus Maßnahmen bekämpft, die Menschen vor Ausbeutung und die Umwelt vor Zerstörung schützen sollen. Dazu wird noch immer versucht, Verantwortung möglichst weit wegzuschieben. Hoffnungsvoll stimmt, wie viel selbst im herrschenden globalen System erreicht werden kann, wenn alle Beteiligten ein faires Wirtschaften erarbeiten, erproben und stetig weiterentwickeln. Was wäre erst in einem klaren globalen Rahmen möglich, der sich an den Menschenrechten orientiert, die genau dafür, für eine gerechte, friedliche Welt erarbeitet wurden.
15.02.2023
01.02.2023
Wertschöpfung im Fairen Handel
Noch immer wird aus den Herkunftsländern meist die Rohware exportiert, auch im Fairen Handel, und erst in den Konsumländern weiterverarbeitet. Doch da bewegt sich längst einiges.
Wird lediglich die Rohware exportiert, wird damit auch die Wertschöpfung für Verarbeitung und Verpackung ausgeführt. Durch die Kaffeeröstung im Konsumland läuft die Zeit der Haltbarkeit erst dort und nicht schon während des Transports. Der entscheidende Nachteil für das Herkunftsland ist die fehlende Wertschöpfung, die durch die Weiterverarbeitung entsteht. Dort, wo bereits Kaffee geröstet, gemahlen und verpackt wird, wo Kakao als Schokolade in die Container verladen wird, entstehen neue Arbeitsplätze in verschiedenen Bereichen, wie in der Verarbeitung und Fertigung, für Verpackung und Transport, in Laboren für die Qualitätssicherung, im Management und in der Wartung von Produktionsanlagen. So entstehen vielfältige Arbeitsplätze, die Perspektiven gerade für junge Menschen schaffen, und es entstehen neue Marktzugänge auch im Herkunftsland.
Die Verarbeitung ist ein wichtiger Baustein für mehr Einkommen im eigenen Land und für gerechtere Handelsbedingungen.
Hoffnungsvolle Beispiele sind die Frauenkooperative APROLMA aus Honduras, der Kooperativendachverband FEDECOCAGUA aus Guatemala und die Genossenschaft MUSASA aus Ruanda. Von ihnen bezieht die Gepa einen Teil ihres Kaffees. Fair Trade Lebanon beliefert El Puente neben Hülsenfrüchten und Getreide auch mit Brotaufstrichen.
Es ist also möglich, durch bewussten Konsum nicht nur einen Absatzmarkt zu bieten, sondern zum Aufbau der heimischen Märkte beizutragen. Das ist ein wichtiger Schritt zu einem Umgang miteinander auf Augenhöhe.
Wir engagieren uns Fair in Soest
Denn wir sind davon überzeugt, durch unser Engagement in diesem Laden, daran mitzuwirken, die Welt ein wenig fairer und gerechter zu machen.
Dafür suchen wir Menschen, die sich auch dafür engagieren und im Laden mitarbeiten wollen.
Sprechen Sie einfach die Menschen im Laden an.
Wir freuen uns auf Sie
12.01.2023
Wir engagieren uns Fair in Soest
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14.12.2022
In der Publikation «Mit bitterem Beigeschmack. Faire Handelspraktiken und existenzsichernde Einkommen – eine Chance für den Kaffeesektor?», vom Juni 2022 stellt das Forum Fairer Handel die aktuelle Situation auf dem weltweiten Kaffeemarkt dar. Dazu gibt es eine Broschüre als Zusammenfassung.
Kaffee ist eines der wichtigsten Handelsgüter weltweit
Trotz weltweiter Steigerung des Kaffeekonsums breitet sich die Armut unter den im Kaffeeanbau arbeitenden Menschen in den Anbauländern weiter aus, während konventionelle Kaffeekonzerne hohe Gewinne einfahren.
Der Anteil der weltweiten Einnahmen aus dem Kaffeegeschäft ist in den Anbauländern um zwei Drittel in den letzten 30 Jahren gesunken – von ehemals 30 Prozent auf heute 10 Prozent. 5 Handelshäuser kontrollieren 50 Prozent des Rohkaffeehandels. 10 Röstereien rösten 35 Prozent des weltweiten Kaffees.
In Deutschland teilen sich 5 Lebensmitteleinzelhändler fast 80 Prozent des nationalen Handels. Nur 6 Prozent des in Deutschland getrunkenen Kaffees kommt aus Fairem Handel. So weit diese Zahlen zur Einstimmung.
Im Weltmarktpreis spiegeln sich die Produktionskosten nicht wider. Die Rekordernte eines Landes gibt den Preis vor, egal, wie die Ernten in anderen Ländern ausfallen. Genauso wenig werden gestiegene Kosten, wie beispielsweise höhere Mindestlöhne oder Betriebskosten berücksichtigt. Oft bezahlen die Farmer:innen ihren Erntehelfern mehr, als sie selbst verdienen.
Der Faire Handel fordert einmal mehr verbindliche Rahmenbedingungen, die der preislichen Handelslogik entgegenstehen und die zu existenzsichernden Einkommen und Löhnen führen, die entlang der gesamten Lieferkette eingehalten werden müssen.
Am 1. Dezember hat sich der Rat der Europäischen Union auf ein Lieferkettengesetz geeinigt, das – so Sven Giegold, Staatssekretär im Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz – Umwelt- und Sozialdumping schwerer macht. Die neuen Standards reichten über nationale Gesetze, wie etwa in Deutschland und Frankreich, hinaus. Das Gesetz soll alle Zulieferer in die Pflicht nehmen, wodurch die zurzeit noch in Deutschland erlaubten Zwischengesellschaften genauso in die Verantwortung gezogen werden sollen. Wird das Gesetz im nächsten Mai vom Parlament abgesegnet, könnten Opfer zivilrechtliche Haftungen einklagen. Allerdings ist die Verpflichtung an Größe und Umsatz des Unternehmens geknüpft. Der Einsatz für einen echten fairen Handel ist also weiter nötig.
Der Blog geht in die Winterpause. Im Februar geht es weiter.
30.11.2022
Fairer Handel und Klimaschutz
Zu Beginn der COP 27 sah UN-Generalsekretär Antonio Guterres die Menschheit auf dem Highway zur Hölle. Dieser Highway ist gebaut durch die Lebensweise vor allem im reicheren Teil dieser Welt. Die Einsicht, was von Menschen gemacht wird, kann auch geändert werden, trägt das Engagement für eine gerechte Welt ohne Armut und Unterdrückung. Das sind die großen Aufgaben, die der Club of Rome in seinem aktuellen Bericht ausgemacht hat, neben dem Einsatz für eine regenerative und naturverträgliche Landwirtschaft und für eine umfassende Energiewende sowie für die Gleichstellung der Frauen. Leider wurde bei der internationalen Konferenz die Abfahrt verpasst.
In einer Welt, in der die Profitmaximierung die Wirtschaft bestimmt, bleiben alle Aktivitäten zum Klimaschutz und damit für alle daran geknüpften Bereiche in ihrer Wirkung stark gebremst.
Der Faire Handel praktiziert seit Jahrzehnten einen Handel, der die Grundlage für alle vom Club of Rome ausgemachten dringlichen Aufgaben bietet. Durch langfristige Handelsverträge, das gemeinsame Tragen der Risiken, durch angemessene Preise der Waren, mit Prämien für soziale Entwicklung und Verbesserung der Bildung, mit der Unterstützung bei der Umstellung auf ökologische Landwirtschaft und anderen Anpassungsmaßnahmen.
Neben aller Unterstützung ihrer Handelspartner nehmen die Handelsorganisationen auch den eigenen CO2-Ausstoß in den Blick, den sie so klein halten, wie möglich. Dabei bleiben sie nicht stehen, sondern suchen nach weiteren Maßnahmen.
Was wäre, wenn durch mutige politische Entscheidungen diese Art des Handelns, das dem Gemeinwohl aller und allem dient, zur Normalität würde.
Wo der politische Gestaltungswille der Verantwortlichen fehlt, kann jede:r durch das eigene Verhalten zeigen, dass die notwendigen Veränderungen möglich und gefordert sind. Dazu gehört ein wohlüberlegter, bewusster Konsum. Dazu gehört das eigene Verhalten. Dazu gehören auch die Erwartungen, zum Beispiel an das Ausmaß aller Arten der Beleuchtung, gerade jetzt in der Winterzeit.
Energie, die gar nicht erst verbraucht wird, muss nicht aus fossilen Quellen und aus Ecken dieser Welt bezogen werden, die sich weder um Menschenrechte, noch um Klima- und Umweltschutz scheren.
