Warum eine Gemeinwohl orientierte Wirtschaft der Schlüssel zum besseren Leben für alle ist, stellt der Oxfam-Bericht zur gewaltigen Ungleichheit dar.
Seit 1942 streitet die in Oxford gegründete Organisation für ihr Ziel einer gerechten Welt ohne Armut. Dabei setzt sie auf Kampagnen, Lobbyarbeit und öffentliche Aktionen.

»Gewaltige Ungleichheit« – der Oxfam-Bericht

Mitte Januar hat Oxfam seinen Bericht zur gewaltigen Ungleichheit veröffentlicht. Darin wird aufgezeigt, wie dramatisch sie sich innerhalb und zwischen den Gesellschaften ausgebreitet hat und so zur Zerreißprobe geworden ist. Während der Pandemie hat sich die Lage noch verschärft. In ärmeren Ländern sind nur 9 Prozent der Menschen einmal geimpft, ein Umstand, der die Scherenklingen noch weiter auseinandertreibt. Oxfam benennt auch klar die Ursache. Die liegt in der Profitlogik unseres Weltwirtschaftssystems, in dem Gewinne für Aktionäre wichtiger sind als der Schutz der Menschenrechte oder des Planeten.
Deshalb stellt Oxfam in dem Bericht einige Forderungen, um diese Entwicklung aufzuhalten und umzudrehen: Konzerne und Superreiche sollen weltweit besteuert werden, für Ausgaben in soziale Grunddienste, Schulen und Krankenhäuser. Impfstoffe müssen zum sozialen Gut werden, um eine globale Impfgerechtigkeit zu erreichen. Zumal in der Entwicklung der Vakzine staatliche Steuergelder stecken. Und schließlich sollen Unternehmen demokratisiert werden und gemeinwohlorientiert arbeiten. Die Ziele innerhalb der planetaren Grenzen zu setzen, gilt als menschenrechtliche Sorgfaltspflicht.

Das sehen auch viele Millionäre*innen aus neun Ländern so, die in einem offenen Brief von Regierungen die jährliche Vermögensteuer für die Reichsten fordert. Damit könnte die extremste Ungleichheit verringert und soziale Grunddienste finanziert werden.

 

Hier geht es zum vollständigen Bericht

Hier stellen wir nun einen weiteren Lieferanten des Weltladens vor. Weltpartner bringt als Genossenschaft nicht nur alle Beteiligten auf Augenhöhe, sie verschreiben sich auch den Gemeinwohlökonomieprinzipien, den Grundsätzen einer Bewegung, die sich nicht weniger vorgenommen hat, als die aktuellen Wirtschaftsprinzipien vom Kopf auf die Füße zustellen.

Weltpartner e.G.

Weltpartner vereint als Genossenschaft alle Beteiligten des fairen Handels, vom Produzenten, über die Verarbeitung zum Handel. In dieser Wertschöpfungskette können alle gewinnen. So wird Kleinbauern ein Vorschuss gezahlt, statt eines verzinsten Kredits, der ihnen Existenz- und Planungssicherheit gibt. So werden die Risiken verteilt. Es gilt, eine Balance zwischen Selbstversorgung und Einkommen zu erreichen. Dabei wird ökologischer, ressourcen- und klimaschonender Anbau gefördert. Darüber hinaus betreibt Weltpartner politische Lobbyarbeit für gerechte Welthandelsstrukturen. Für Weltpartner beginnen globale Verantwortung und soziales Engagement vor der eigenen Haustür, darum arbeitet die Genossenschaft nach den Prinzipien der Gemeinwohlökonomie.

Gemeinwohlökonomie (GWÖ)

Die Gemeinwohlökonomie ist eine Bewegung, die sich dafür engagiert, die gesamte Wirtschaft Gemeinwohl fördernden Zielen zu widmen. Diese sollen für ein gutes Leben für alle Lebewesen auf einem gesunden Planeten sorgen. Zu den zentralen Werten zählen die Menschenwürde, Solidarität, ökologische Nachhaltigkeit, soziale Gerechtigkeit und demokratische Mitbestimmung. Die Bewegung wird von über 2000 Unternehmen unterstützt. Viele Unternehmen haben sich bereits der angebotenen Gemeinwohlbilanz gestellt, die die GWÖ anbietet.

Weltpartner kann hier besucht werden www.weltpartner.de
Hier gibt es mehr zum Thema Gemeinwohl-Ökonomie https://web.ecogood.org/de/.

Wie für diesen, so auch für die anderen Texte, dient als Grundlage die Selbstdarstellungen der vorgestellten Akteure. Ist das einmal nicht der Fall, wird dies angegeben.

Im November 2021 erhielt die Stadt Soest für weitere zwei Jahre die Auszeichnung »Fairtrade Town«. Was es damit auf sich hat, wollen wir hier kurz darstellen.

Was bedeutet die Auszeichnung »Fairtrade Town«?

Soest ist seit 2013 Fair Trade Town. Dieses Siegel beinhaltet die Verpflichtung, den Fair-Trade-Gedanken in der Region weiter zu verbreiten, weitere Mitstreiter zu gewinnen und Öffentlichkeitsarbeit zu leisten. Das war der Auslöser für einige längst engagierte Menschen, den Verein „Initiativkreis Eine Welt – fair trade Soest e.V.“ zu gründen, der seit 2016 im eigenen Ladenlokal verkauft, zunächst in der Jakobistraße und bereits seit Herbst 2019 im Grandweg 3. Seitdem haben sich weitere engagierte Menschen eingefunden, um den Laden weiterhin ehrenamtlich betreiben und auch wieder verstärkt mit Veranstaltungen aufwarten zu können, so die Situation es wieder erlauben wird.

Die Kampagne Fairtrade Towns fördert den fairen Handel auf kommunaler Ebene, denn hier wirkt er in alle gesellschaftlichen Bereiche hinein. So unterstützt sie bei Veranstaltungen und Aktionen, bei der Öffentlichkeitsarbeit und dem Stadtmarketing und bei Vernetzung und Kooperation der Akteure aus Zivilgesellschaft, Politik und Wirtschaft. Neben Städten und Gemeinden gibt es 40 Fairtrade-Landkreise, die über ihre Grenzen hinaus aktiv sind.
Der Weg zum Siegel führt vom Ratsbeschluss über die Gründung einer Steuerungsgruppe, angebotene Produkte im Einzelhandel, in Cafés und Restaurants, die Zivilgesellschaft bis zur Öffentlichkeitsarbeit, die geleistet werden soll. Dabei spielt die öffentliche Beschaffung eine wichtige Rolle für eine nachhaltige Produktionsweise, wenn beispielsweise Ausschreibungskriterien Fairhandelsprodukte einschließen.

Die Kriterien des Fairen Handels decken sich mit 8 der 17 Sustainible Development Goals – den Nachhaltigkeitszielen der UN. Darunter ist das Ende der Armut, Gendergerechtigkeit, hochwertige Bildung weltweit, nachhaltiges wirtschaften und Klimaschutz.

Hier wird der Slogan – global denken – lokal handeln – konkret fassbar.

Zum Weiterlesen:

Die TAZ widmete im September 2021 ihre Themenseiten dem fairen Handel.
Fairtrade Towns
Stadt Soest

Diesmal gibt es Neuigkeiten von der Reederei Timbercoast, mit ihrem Genussmittelsegler Avontuur, der sich zum Erfolgsmodell entwickelt hat. Außerdem stellen wir mit El Puente einen der Lieferanten unseres Weltladens vor, der wie auch andere, die Brücke zwischen Produzenten und Konsumenten schlagen will, um das Bewusstsein zu stärken für einen fairen Umgang miteinander.

Avontuur, Folge 2

Von der Reederei Timbercoast aus Hamburg, die seit einigen Jahren Kaffee, Kakao und Schokolade mit dem Segelschoner Avontuur aus Mittelamerika und der Karibik nach Hamburg segelt, haben wir schon einmal in einem früheren Newsletter berichtet. Nun gibt es ein paar Neuigkeiten, worüber die TAZ am 11. Dezember 2020 schreibt. Danach ist das Hauptquartier nach turbulenten Monaten nach Hamburg-Finkenwerder gezogen, wo Büro und Verkaufsraum eröffnet wurden. Etwa zwei Mal im Jahr geht der Frachter auf Tour, die neunte Fahrt startet im Februar und der Frachtraum ist ausgebucht. Nachhaltigkeit als Transportmodell für Genussmittel hat sich bewährt, deshalb ist ein weiteres Schiff in Planung, das containerfähig sein und das siebenfache Volumen transportieren können soll. In zwei bis drei Jahren wird es hoffentlich auf die erste Reise gehen können.

Segel-Kaffee




El Puente – die Brücke

Der Weltladen bezieht unter anderem den Segelkaffee von El Puente. Das ist ein Handelsunternehmen, für das der Name Programm ist. 1977 wurde es bereits als einer der ersten Akteure im fairen Handel gegründet. Im Angebot sind Produkte von Kleinbauern, Familienbetrieben und lokalen Fairhandelorganisationen aus Afrika, Asien und Lateinamerika.  Ihre Produzenten erhalten faire Preise für ihre Waren, die meist über den geltenden Fairhandels-Mindestpreisen liegen. Die Vorfinanzierung bietet ihnen kontinuierliche Handlungs- und Existenzsicherheit. Neben der Vermittlung der Produkte gehört zu dem Brückenschlag auch die Sensibilisierung der Menschen in Europa und anderswo, denn El Puente möchte sie »ermutigen, ihre Verantwortung wahrzunehmen«, wie es in der Selbstdarstellung zu lesen ist. Darum engagiert sich das Unternehmen auch in der politischen Bildungsarbeit. Da gemeinsam mehr zu erreichen ist, ist El Puente Teil der Netzwerke, wie der World Fair Trade Organisation, dem Forum Fairer Handel, dem Weltladen Dachverband und der Arbeitsgemeinschaft der Weltläden.

Viele Wege führen aus schwierigen Umständen in ein selbstbestimmtes Leben, es müssen nur genügend Menschen ihr Möglichkeiten einbringen. Davon zeugen die heute vorgestellten Unternehmen, die zum einen Jugendlichen in Peru zum anderen Geflüchtete in Idomeni Perspektiven aus der Armut heraus bieten.

FairMail

In Peru fotografieren sich Jugendliche mit Hilfe der FairMail-Fotografieschule aus der Armut. Hierfür werden auch Freiwillige rekrutiert, die sich an der Ausbildung eine Weile beteiligen wollen. Das Unternehmen wurde 2006 von zwei Geschäftsleuten gegründet, das mit den entstandenen Grußkarten, E-Cards und Fotos handelt. 60 Prozent des Gewinns erhalten die Fotograf:innen, womit sie ihre weitere Ausbildung leichter finanzieren können. Außerdem bietet FairMail Reisen durch Peru an, an denen je ein:e Jungendliche:r teilnehmen kann. So gelangen sie in Regionen, die sie sonst nicht erreichen können, damit erweitern sie die Motivsuche und ihren Erfahrungsschatz. Auf diese Weise entstehen etwa die Hälfte der Fotos.
Seit ein paar Jahren führen zwei ehemalige Praktikanten und zwei ehemalige Fotografieschülerinnen die Geschicke von FairMail.

Naomi

Naomi-Thessaloniki ist eine gemeinnützige Gesellschaft, die sich der humanitären Hilfe für Geflüchtete verschrieben hat und aktiv ihre Teilhabe am gesellschaftlichen Leben fördert. Das beginnt bei der Nothilfe, setzt sich über die Textilwerkstatt fort und weist durch Veranstaltungen darüber hinaus. Genäht werden derzeit Jacken, Schürzen und Taschen unter dem Label „Remember Idomeni by Naomi“.
Das nächste Ziel ist eine kleine Produktionsfirma mit regulären Arbeitsbedingungen in Heimarbeit. Dabei sollen Werbung und Vertrieb professionell gestaltet werden.