Es hat sich inzwischen herumgesprochen, dass gerade die Textilindustrie besonders anfällig für problematische Arbeitsbedingungen ist. Deshalb widmet Fairtrade Deutschland diesem Thema wieder die Kampagne «Fashion Revolution» vom 19. bis 24. April.
Fashion Revolution
Der Einsturz der Textilfabrik Rana Plaza in Bangladesch 2013, bei dem mehr als 1000 Menschen gestorben und fast 2500 Menschen verletzt wurden, hat einiges in Bewegung gebracht. In Bangladesch wurden leitende Angestellte verurteilt und ein paar notwendige Gesetze durchgesetzt. Das Engagement für faire Lebens- und Arbeitsbedingungen hat danach noch einmal Fahrt aufgenommen.
Fairtrade Deutschland legt für die Auszeichnung mit dem Fairtrade-Siegel Kriterien für die gesamte Lieferkette zugrunde. Wer Baumwollkleidung mit diesem Siegel trägt, sorgt für einen Mindestpreis für die umweltschonend angebaute Baumwolle, der nicht auf Kante genäht ist, sondern ein Sicherheitsnetz für die Bäuerinnen und Bauern ermöglicht. Die Verwendung von gentechnisch modifiziertem Saatgut ist dabei verboten. Dazu gibt es auch hier den Fairtrade-Aufschlag für Gemeinschaftsprojekte. Für die gesamte Lieferkette gilt, dass bei einer Umstellung auf eine faire Arbeitsweise innerhalb von sechs Jahren existenzsichernde Löhne gezahlt werden müssen. Dabei werden strenge Anforderungen an Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz gestellt. Außerdem müssen die internen Beschwerdemechanismen und die Mitsprache verbessert werden. Dabei werden die Textilfabriken mit Hilfe eines Trainingsprogramms bei der Umsetzung der Standards begleitet.
Neben China und den USA ist Indien Hauptlieferant von Baumwolle. Hier übernehmen das vor allem Kleinbäuerinnen und Kleinbauern. Sie sind durch die Schwankungen der Preise am Markt, die sich nicht an den tatsächlichen Produktionskosten orientieren, besonders betroffen. Ist das Bauwollangebot groß, sinken die Preise. Je geringer der Erlös im Anbau ist, desto geringere Löhne werden gezahlt, desto stärker steigt die Armut, desto stärker steigt die Zahl der Kinder, die für den Familienunterhalt mitarbeiten müssen und damit nicht zur Schule gehen können. So wird es für sie kaum möglich, eines Tages dieser Armut und damit allen mit ihr verbundenen Gefahren zu entkommen. Den Menschen wird der beste Schutz gegen Ausbeutung verwehrt, nämlich ihr Leben selbstbestimmt zu gestalten.
Ein neues Rana Plaza wird nur verhindert, wenn wir mit unserem Konsumverhalten und unserem Engagement für eine sozial-ökologisch vertretbare Wirtschaftsweise eintreten, die die Ausbeutung von Menschen verhindert und das Leben auf diesem Planeten erhält.
20.04.2022
06.04..2022
Die Gepa ist eine weitere wichtige Lieferantin des Weltladens. Sie ist Mitte der 1970er Jahre von kirchlichen Entwicklungs- und Jugendorganisationen gegründet worden. Angefangen hat alles mit Kaffee und Kakao.
Gepa
Die Gepa engagiert sich für ein besseres Leben, das von Respekt vor Mensch und Natur geprägt ist. Sie will Qualitätsprodukte anbieten, wozu untrennbar die Wertschätzung der Arbeit der Partner gehört. Durch konkrete Alternativen, Lobby- und politische Arbeit will sie Einfluss auf die Welthandelsstrukturen nehmen und sie verändern. Nicht zuletzt gehört dazu auch die Motivation der nördlichen Verbraucher*innen zu einem anderen Lebensstil.
Das Beispiel der Kakaobauern auf São Tomé zeigt, was das bedeutet
Unter dem genossenschaftlichen Dach der CECAQ-11 sammeln sich 17 Einzelgenossenschaften. Die erste davon wurde Mitte der 1990er Jahre gegründet, nachdem sich viele ehemalige Landarbeiter nach der Landreform als Kleinbauern wiederfanden. Trotz des staatlichen Programms zur gezielten Produktions- und Qualitätssteigerung blieben die Bauern arm, da sie ihre Ernte zu niedrigen Preisen an Zwischenhändler verkaufen mussten. 2009 wurde dann CECAQ-11 gegründet. Nun fermentieren und trocknen die Bauern selber, weshalb sie zu höheren Preisen verkaufen können. Bessere Kenntnisse aus Fortbildungen für beschneiden, fermentieren und trocknen, lassen Ertrag und Qualität und damit die Erlöse für die Kleinbauern weiter steigen. Der Weg zur Biozertifizierung war nur ein kurzer. Da hier auch vorher keine Pestizide und synthetische Dünger eingesetzt wurden, fiel die Umstellungsfase aus. Die Schule ist für die ersten vier Jahre kostenfrei und verpflichtend. Reich sind die Menschen noch immer nicht, doch das Nötigste können sie sich inzwischen leisten. Wichtig daran ist, dass sie wieder Einfluss auf ihr Leben nehmen können. Inzwischen sehen auch junge Menschen wieder eine Zukunft auf der kleinen Insel im Golf von Guinea.
23.03.2022
Die reichsten zehn Prozent der Menschheit verursachen die Hälfte aller Treibhausgase, die schon lange nicht mehr durch den natürlichen Kreislauf kompensiert werden können. Ein gerechtes Wirtschaftssystem muss also an konsequenten Klimaschutz gebunden sein, damit sich in ärmeren Regionen der Welt ein basaler Wohlstand entwickeln kann.
Klimaschutz – regional mit globaler Wirkung
Viele Länder des globalen Südens, die schon heute unter den Folgen der Erhitzung leiden, tragen den geringsten Anteil zu den auf das Klima wirkenden Gasen in der Atmosphäre bei. Dabei wird dort viel für unsere Märkte produziert. Sie sind die Verlierer eines auf unendliches Wachstum ausgerichteten Wirtschaftssystem. Doch um sich vor den weiteren Auswirkungen der Klimakrise schützen zu können, ist ein gewisser Wohlstand nötig, der Handlungsfähigkeit sichert. Aber auch in den reicheren Weltteilen spalten sich die Gesellschaften in übermäßige Verursacher und weniger wehrhafte Leidtragende.
Da ist es nur folgerichtig, dass die Stadt Soest sich dem Ziel der zukünftigen Klimaneutralität verschrieben hat. Mit diesem Vorhaben sind Resilienz, also eine krisenfestere Stadt, und Generationengerechtigkeit verknüpft, wie es auf der Hompage der Stadt zu lesen ist. Orientierung für die Ausarbeitung für beispielsweise Mobilität, Stadtentwicklung, Soziales und Jugend, Bildung, Wirtschaft und Kultur, bieten die 17 UN-Nachhaltigkeitsziele (Sustainable Development Goals) von 2015, zum Schutz der Menschenrechte, der natürlichen Ressourcen und des Klimas – weltweit. Alle Aktivitäten in diesen drei Bereichen sollen sich am Gemeinwohl messen lassen, so können sie hier vor Ort wirken und auch über die regionalen Grenzen hinaus zu den längst notwendigen Veränderungen beitragen.
Dem fairen Handel, der auch in Soest verankert ist, liegen neun der 17 SDGs zugrunde. Mindestpreise für die Produkte sichern Einkommen für menschenwürdige Lebens- und Arbeitsbedingungen. So wird Armut und Hunger bekämpft. Die zusätzliche Fair-Trade-Prämie macht es den Kooperativen möglich, in Projekte für Bildung, Gesundheit oder in den Klimaschutz zu investieren. Das ist aktive Armutsbekämpfung. Zu nachhaltigem Konsum sind wir alle aufgerufen.
09.03.2022
2018 wurde im Koalitionsvertrag ein Lieferkettengesetz in Aussicht gestellt, falls nicht genügend Firmen freiwillig Verantwortung für die Lieferketten ihrer Produkte tragen. Zu wenige Unternehmen waren bereit, die menschenrechtliche Sorgfaltspflicht zu übernehmen. So wurde am 11. Juni 2021 das »Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz« verabschiedet, das vielen Menschen, die sich seit Jahren für ein solches Gesetz engagieren, als unzureichend gilt.
Lieferkettengesetz
Bereits 2016 hat die Bundesregierung einen »Aktionsplan Wirtschaft und Menschenrechte« (NAP) aufgestellt, der sich an den UN-Leitprinzipien »Wirtschaft und Menschenrechte« von 2011 orientiert. Im Koalitionsvertrag von 2018 wurde auf Freiwilligkeit für die Umsetzung des Plans gesetzt, was vielen Menschenrechts- und Umweltorganisationen sowie Gewerkschaften nicht reichte. Deshalb versammelten sie sich 2019 in der »Initiative Lieferkettengesetz« und setzen sich seit dem für ein verantwortungsvolles Gesetz ein. Das verabschiedete Gesetz wird lediglich als Etappenerfolg angesehen. Denn es gilt erst ab 2023 und dann nur für Unternehmen mit mehr als 3000 Mitarbeitern, ein Jahr später sinkt die Schwelle auf 1000 Mitarbeiter. Es enthält keine zivilrechtlichen Haftungsregeln und bezieht sich lediglich auf die unmittelbaren Zulieferer. Doch die schlimmsten Bedingungen herrschen am anderen Ende der Kette. Klima- und Umweltaspekte sowie Geschlechtergerechtigkeit und Beteiligungsrechte indigener Menschen kommen zu kurz.
Dabei muss das Rad nicht neu erfunden werden. Die Grundsätze des fairen Handels erfüllen die notwendigen Kriterien. Unternehmen, die sich ihnen konsequent verschreiben, zeigen, dass er auch in den derzeitigen Verhältnissen funktioniert. Doch es ist ein ungleicher Wettbewerb mit Unternehmen, deren Geschäftsmodell auf miserablen prekären Arbeits- und Lebensbedingungen von Menschen aufbaut, egal in welchem Land und auf welchem Kontinent. Wobei Länder des globalen Südens viel stärker von der Praxis der Konzerne betroffen sind, die die Verantwortung für die Einhaltung der Menschenrechte und für den Umweltschutz vor Ort in ihrer Lieferkette nicht übernehmen wollen.
Quellen:
Bundesministerium für Entwicklung und wirtschaftliche Zusammenarbeit (BMZ)
23.02.2022
Warum eine Gemeinwohl orientierte Wirtschaft der Schlüssel zum besseren Leben für alle ist, stellt der Oxfam-Bericht zur gewaltigen Ungleichheit dar.
Seit 1942 streitet die in Oxford gegründete Organisation für ihr Ziel einer gerechten Welt ohne Armut. Dabei setzt sie auf Kampagnen, Lobbyarbeit und öffentliche Aktionen.
»Gewaltige Ungleichheit« – der Oxfam-Bericht
Mitte Januar hat Oxfam seinen Bericht zur gewaltigen Ungleichheit veröffentlicht. Darin wird aufgezeigt, wie dramatisch sie sich innerhalb und zwischen den Gesellschaften ausgebreitet hat und so zur Zerreißprobe geworden ist. Während der Pandemie hat sich die Lage noch verschärft. In ärmeren Ländern sind nur 9 Prozent der Menschen einmal geimpft, ein Umstand, der die Scherenklingen noch weiter auseinandertreibt. Oxfam benennt auch klar die Ursache. Die liegt in der Profitlogik unseres Weltwirtschaftssystems, in dem Gewinne für Aktionäre wichtiger sind als der Schutz der Menschenrechte oder des Planeten.
Deshalb stellt Oxfam in dem Bericht einige Forderungen, um diese Entwicklung aufzuhalten und umzudrehen: Konzerne und Superreiche sollen weltweit besteuert werden, für Ausgaben in soziale Grunddienste, Schulen und Krankenhäuser. Impfstoffe müssen zum sozialen Gut werden, um eine globale Impfgerechtigkeit zu erreichen. Zumal in der Entwicklung der Vakzine staatliche Steuergelder stecken. Und schließlich sollen Unternehmen demokratisiert werden und gemeinwohlorientiert arbeiten. Die Ziele innerhalb der planetaren Grenzen zu setzen, gilt als menschenrechtliche Sorgfaltspflicht.
Das sehen auch viele Millionäre*innen aus neun Ländern so, die in einem offenen Brief von Regierungen die jährliche Vermögensteuer für die Reichsten fordert. Damit könnte die extremste Ungleichheit verringert und soziale Grunddienste finanziert werden.
