Das Problem ist nicht, dass wir mehr Wohlstand wollen. Das Problem ist, dass wir Wohlstand durch materiellen Besitz definieren.

(Dennis Meadows, Ökonom. Mit seiner rechnergestützten Simulation zeigte er «die Grenzen des Wachstums», eine vom Club of Rome beauftragte Studie, die er 1972 unter eben diesem Titel veröffentlichte, zusammen mit Donella Meadows und Jørgen Randers.)

Faire Wochen vom 16.–30. September 2022

Die Fairen Wochen stehen vor der Tür, die alljährlich vom Forum Fairer Handel e.V., Fairtrade Deutschland e.V. und dem Weltladen Dachverband e.V. in der zweiten Septemberhälfte veranstaltet wird. Unter der Überschrift «Fair steht dir – #fairhandeln für Menschenrechte weltweit», wird das 8. SDG-Ziel der UNO ein weiteres Mal bearbeitet. Darin geht es um die Förderung von dauerhaftem, breitenwirksamem und nachhaltigem Wirtschaftswachstum, produktive Vollbeschäftigung und menschenwürdige Arbeit für alle. Konkret wird im ganzen Land der Blick auf menschenwürdige Arbeitsbedingungen und nachhaltiges Wirtschaften in der Textil-Lieferkette gerichtet.

Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung erläutert auf der eigens für die 17 UN-Ziele für nachhaltige Entwicklung eingerichteten Seite jedes Ziel, also auch das SDG 8. Danach leben 650 Millionen Menschen in Armut, obwohl sie arbeiten. 40 Millionen Menschen müssen als moderne Sklaven in der Landwirtschaft, der Textilindustrie oder der Rohstoffgewinnung arbeiten. Unter den aktuellen Bedingungen in den Produktionsketten ist es schwer, Zwangsarbeit in den Produkten auszumachen.
150 Millionen Kinder zwischen 5 und 14 Jahren müssen laut UNICEF weltweit unter extremen, gefährlichen und ausbeuterischen Bedingungen arbeiten, weil ihre Eltern nur Hungerlöhne für ihre Arbeit nach Hause bringen können. Die meisten Kinder, die Arbeiten verrichten, die ihrer körperlichen und geistigen Entwicklung schaden und die Umwelt belasten, leben in Afrika, gefolgt von Asien.
Auch die Schattenwirtschaft, also Schwarzarbeit und Kriminalität, verhindert das Ziel der menschenwürdigen Arbeit für alle, weltweit, auch in Deutschland. Und während der Covid-19-Pandemie verloren Millionen Menschen ihre Arbeit und damit ihre Lebensgrundlage, 1,5 Milliarden Menschen in der informellen Wirtschaft fehlt jeder Schutz bei Krankheit oder Schließung.

Das alles geschieht im Rahmen des materiellen Wohlstandes auf überhöhtem Niveau in den reichen Industrieländern. Um Deutschlands Ressourcenverbrauch zu decken, wären mehrere Erden notwendig. Um nachhaltiges Wirtschaften und nachhaltiges Konsumieren kommen wir also nicht herum. Beides wird nachhaltige Auswirkungen auf die Arbeitsverhältnisse haben.

Aber: Das alles ist kein Selbstläufer. Wir sind dieser Situation nicht ausgeliefert. Der Faire Handel bietet die Basis für einen anderen Umgang, der die Arbeits- und Lebensverhältnisse auf anständige und sichere Füße für alle stellen kann. So zeigt sich gerade während der Corona-Pandemie, wie ehrliche Lastenverteilung Existenzen sichern kann.

Der So-Fair-Blog geht bis zum 07.09.2022 in die Sommerpause. Wir wünschen allen Lesesern eine gute Zeit.

Es geht noch einmal um Kinderarbeit, die Folgen – und um wirkungsvolle Auswege daraus.

Wenn sich Menschen auf den Weg machen

Seit 1993 Arbeitet der genossenschaftlich organisierte Fair-Trade-Großhändler Weltpartner mit dem Kinderschutzzentrum Preda auf den Philippinen zusammen. In dem Kinderheim leben sexuell missbrauchte Mädchen und Knast-Kinder – Straßenkinder, meist Jungen – die aus nichtigen Gründen unter miserablen Umständen im Gefängnis sitzen.
Preda wurde 1974 von Pater Shay Cullen gegründet, der noch immer aktiv für die Kinder kämpft. Hinter seinem Engagement steht die Überzeugung, dass Kinder wegen der bitteren Armut ihrer Eltern auf der Straße landen und dort schutzlos ausgeliefert sind. Preda bietet den Kindern Schutz, Geborgenheit, Anerkennung und Respekt. Hier können sie zum ersten Mal Kind sein. Neben der Trauma-Arbeit können sie endlich zur Schule gehen und so die Grundlage schaffen, aus der Dauerschleife der Armut auszubrechen.
Damit Kinder gar nicht erst in diese Situation geraten, müssen ihre Eltern die Armut überwinden können – und das geht, wieder Mal, über den fairen Handel, wie das Mango-Projekt zeigt, in dem Preda und Weltpartner seit dreißzig Jahren zusammenarbeiten.
Für etwa 500 Kleinbauernfamilien ist der Mango-Anbau im Rahmen dieses Projektes zu einer wichtigen Einnahmequelle geworden. Hohe Erzeugerpreise und die Abnahme der Früchte sind ihnen sicher, so müssen sie sich nicht um die Vermarktung kümmern und B-Ware und kleine Früchte werden vor Ort zu Mangopüree verarbeitet, erzielen also auch noch einmal angemessene Preise. Preda bezahlt am Jahresende Boni aus und stellt Mango-Setzlinge bereit. Auf diese Weise finden die Kleinbauern wieder lebenswerte Perspektiven auf dem Land, Landflucht wird verhindert und der Ausweg aus dem Armutskreislauf ist sichtbar. Ohne solche Perspektiven landen viele Kinder in der Kinderprostitution in Manila.
Pater Shay Cullen rechnet vor, dass der Erlös aus einem größeren Mangobaum reicht, um zwei Kinder ein Jahr lang zur Schule zu schicken, mit allen damit verbundenen Kosten.
Preda kümmert sich also um die Betreuung der Bauern, die Abwicklung mit dem Verarbeiter und den Verkauf an Weltpartner. Weltpartner übernimmt dann die Entwicklung der Produkte, den Import und Verkauf. Dazu stellt er Infomaterial zur Verfügung. 10 Prozent des Verkaufspreises bleiben bei Preda.

Nach einem Tatort-Dreh in den Philippinen gründeten die Kölner Tatort-Kommissardarsteller Dietmar Bär und Klaus J. Behrendt 1998 den Verein Tatort-Straßen der Welt.e.V. und unterstützen seit dem die Kinderschutzorganisation Preda. Doch der Aktionsraum des Vereins hat sich längst erweitert.

Das Mango-Projekt ist ein beeindruckendes Beispiel dafür, dass es der faire Umgang miteinander ist, der Menschen vor existenziellen Katastrophen mit allen verheerenden Folgen schützen kann – und auch, was das gemeinsame Engagement mehrer Akteure bewirken kann.

Unter diesen Links gibt weitere Informationen zu dem Projekt, unter anderem auch einen 20-minütigen Film.

Weltpartner
Tatort-Straßen der Welt e.V .

Am 12. Juni soll mit dem Tag der Kinderarbeit an zurzeit mehr als 160 Millionen Kinder erinnert werden, die Arbeit in Art und Ausmaß leisten, die ihrer Entwicklung, Bildung und ihrer Gesundheit schaden.

Kinderarbeit

Im Vorfeld zum Tag der Kinderarbeit am 12. Juni tagte Mitte Mai zum fünften Mal die «Global Conference on the Elimination of Child Labour» in Durban in Südafrika. Kinderarbeit zu bekämpfen – dazu haben sich bereits 1999 alle 193 UN-Mitgliedsstaaten bis 2030 verpflichtet. Enthalten ist die Verpflichtung im 8. der 17 UN-Nachhaltigkeitsziele, das für menschenwürdige Arbeit und nachhaltiges Wirtschaftswachstum steht. Doch das Ziel liegt noch weit entfernt. Inzwischen sogar noch weiter, nachdem sie in den letzten zwanzig Jahren nach und nach zurückging, kehrt sich der Prozess laut ILO – der Internationalen Arbeiter Organisation – allmählich um. Dabei geht es um teils schwere bis gefährliche Arbeit in der Landwirtschaft, dem Bergbau und in der Textilindustrie. Grund dafür, dass über 160 Millionen Kinder arbeiten, sind Bevölkerungswachstum, wiederkehrende Krisen, extreme Armut – die durch die Covid-19-Pandemie verstärkt wird – und unzureichende soziale Absicherung.
Auf der Konferenz in Durban diskutierten die Teilnehmer in den Bereichen Landwirtschaft, Klimawandel, Bildung, globale Lieferketten – und welchen Beitrag sie zur Kinderarbeit leisten.
Zum ersten Mal erhielten Kinder ihr eigenes Gremium, denn schließlich geht es um sie. Als grundlegende Ursachen dafür, dass so viele Kinder Arbeiten müssen, benennen sie Armut und die Arbeitslosigkeit der Eltern. Einer, der es dank eines Stipendiums geschafft hat, der Arbeit als Kind zu entkommen und zu studieren, ist heute Anwalt, wie er sagt, für die Kinder, die auf ihn gefolgt sind. Wir müssen jetzt handeln – sagt er – die Kinder können nicht warten, sie brauchen jetzt ihre Rechte!

Die Akteure des fairen Handels bemühen sich seit Jahrzehnten genau darum: Faire Arbeitsbedingungen und Lebensperspektiven, gerade für die Menschen im globalen Süden, dort, wo die meisten Kinder arbeiten müssen, um ihre Familien zu unterstützen, statt zur Schule zu gehen. Dabei  – um es noch einmal zu betonen – spielt Bildung die entscheidende Rolle, der Armut zu entkommen. Also führt der direkte Weg zum Erfolg über den Kampf gegen Armut. Dafür brauchen die Menschen eine sichere Lebensgrundlage. Um das auf breiter Ebene zu erreichen, braucht es endlich ein Wirtschaften, von dem alle profitieren. Was dazu nötig ist, gibt es alles längst.

DW
Konferenzbericht
ILO
BPB
Afrika Online-Magazin

Diesmal geht es um Silberschmuck und darum, dass nicht alles perfekt sein kann und trotzdem richtig ist.

Südsinn

Der von Südsinn designte Silberschmuck wird in den Silberschmieden der thailändischen Minderheit der Karen im Nordwesten des Landes hergestellt und von Frauen in Heimarbeit in ihrer freien Zeit durch Schmucksteine ergänzt und aufgezogen. Südsinn trägt die Verantwortung für alle Lieferanten, die sie alle persönlich kennen, wie sie sagen. Auf diese Weise können Frauen, die in der thailändischen Gesellschaft sonst keine Chance auf gut bezahlte Arbeit haben, gut Geld verdienen. Damit wird die Ausbildung der Kinder bezahlt, Saatgut und Konsumgüter gekauft und Krankenhausrechnungen bezahlt, wie Südsinn schreibt.

Sie schreiben auch, dass fairer Handel nicht die Sozialsysteme marginalisierter Regionen ersetzen, wohl aber die Lebensbedingungen vieler Menschen verbessern kann. Dies trägt zu einem Bewusstsein für Würde, Gerechtigkeit und gegenseitigen Respekt bei. Sie beschreiben fairen Handel als einen Prozess mit vielen Kompromissen. Für Südsinn liegt der bei der Silberbeschaffung, die nicht den fairen Kriterien entsprechen kann, es wäre zu teuer und damit für die Karen-Frauen nicht einsetzbar. So aber können sie unter diesen Arbeitsbedingungen der Armut mit allen Folgen entkommen. Es geht darum, alles zu tun, was möglich ist. Es müsse diskutiert und weiterentwickelt werden.

Diskussion und Weiterentwicklung, das macht den fairen Handel von Anfang an aus. Südsinn ist ein weiteres Beispiel dafür, dass Entwicklung nur möglich ist, wenn man irgendwo anfängt. Schritt für Schritt wird dann in alle Bereiche vorgedrungen.