In allen Bereichen sind Menschen längst unterwegs, neue Formen des Zusammenlebens zu erproben. So bringt die solidarische Landwirtschaft Erzeuger und Konsumenten zusammen. Was regional immer öfter funktioniert, wird seit letztem Jahr auch global probiert – mit ersten Erfolgen.
SoLawi
In der solidarischen Landwirtschaft werden Verantwortung, Risiko und Erfolg auf viele Schultern verteilt. Die Mitglieder kaufen im Voraus Anteile an der Ernte des Bauern / der Bäuerin. So können Lebensmittel nach dem Bedarf der Mitglieder unabhängig vom Markt erzeugt werden und damit die Einkommen der Anbauenden sichern. Die Anerkennung und Wertschätzung, die hinter diesem Umgang stehen, eröffnen Möglichkeiten der Weiterentwicklung.
Das Grundprinzip, gemeinsam die Landwirtschaft zu finanzieren, und anschließend die Ernte zu teilen, ist auf andere Bereiche zu erweitern. Das zeigen weitere Akteure.
Weltpartner, etwa, verbindet auf diese Weise als Genossenschaft Produzenten und Händler. Die Vorauszahlungen ermöglichen Handlungsspielraum und damit wieder Einfluss auf die eigenen Geschicke.
Den nächsten Schritt geht Wir.Kaffee. Sie verbinden Kaffeeanbauende in Nicaragua mit Einzelhändlern und Einzelpersonen miteinander nach dem SoLawi-Prinzip. Die Produzierenden legen im Vorfeld fest, wie viel Geld sie für die nachhaltige Landbearbeitung und ihre familiäre Existenz benötigen. Dann werden Anteile zur Vorfinanzierung der Ernte gezeichnet. Gezahlt wird in mehreren Raten. Auf diese Weise wird die Arbeit bezahlt und die Ertragsschwankungen von allen gemeinsam getragen. Zum Endpreis gesellen sich dann noch die Kosten für Export, Röstung und Verpackung. Im Sommer `21 konnte so die komplette Ernte von 15 Familien in Weltläden und einigen Bioläden verkauft werden.
Sichern die Fairtrade-Festpreise schon Existenzen, so sieht Wir.Kaffee die SoLawi als deren Fortentwicklung.
Jede Entwicklung beginnt mit dm ersten Schritt. Im fairen Handel wurde der vor sehr langer Zeit getan. Aus dem Engagement Einzelner ist er zu einer Bewegung herangewachsen und dann zu einem festen Bestandteil der Wirtschaft. Die Regeln, die fairen Handel ausmachen, haben sich in dieser Zeit immer klarer herausgeschält und erweitert. So kann er als Vorbild dienen, für die Anforderungen an sämtliche Lieferketten. So wurde fair im Laufe der Jahre zu biofair. Und auch damit ist die Entwicklung noch nicht am Ende, das zeigt der nächste mutige Schritt zu einer solidarischen Landwirtschaft, in der sich Menschen über Kontinente hinweg direkt verbinden.
