Zuletzt ging es an dieser Stelle um erste Einblicke in das Thema Agrarökologie als landwirtschaftliche Struktur. Die Landwirtschaft lässt sich aber kaum ohne das gesamte Ernährungssystem umstellen.
Was bedeutet «Ernährungssystem»
Das Ernährungssystem umfasst alle Bereiche, die an der Ernährung beteiligt sind, geht also weit über die Landwirtschaft hinaus.
Linear betrachtet, beginnt das Ernährungssystem bei der Erzeugung, geht weiter über die Verarbeitung, Verteilung und die Zubereitung.
Dazu gehören aber auch Wissenschaft, die etwa an Saatgut oder Anbausystemen forscht, Gewerkschaften, die sich für bessere Arbeitsbedingungen einsetzen, Politiker*innen, die Gesetze und Regeln machen – wie die, zur Verteilung von Agrarsubventionen – zivilgesellschaftliche Organisationen, die sich etwa für Umweltschutz, Klimaschutz oder für einen fairen Handel engagieren und Agrarchemiekonzerne, die weiter chemische Substanzen entwickeln, wie etwa für Pestizide.
Die Marktmacht der Konzerne im Agrar- und Ernährungssektor ist gewaltig, so kontrollieren vier Supermarktketten in Deutschland 85 Prozent des Lebensmittelhandels. So können sie Erzeugerpreise immer weiter drücken, da die Produzenten kaum Absatzalternativen finden.
Diese Auswahl zeigt, dass eine unbedingt nötige Transformation der Landwirtschaft ohne alle angrenzenden Bereiche gar nicht gelingen kann.
Was ist zu tun?
Wir können Kaufentscheidungen treffen, das wirkt allerdings begrenzt. Darüber hinaus können wir durch zivilgesellschaftliches Engagement Gesetzte für faire Handelspraktiken fordern, die Unternehmen in die Pflicht nehmen. Die Fusionskontrolle ist zum Beispiel zu schwach in Deutschland und der EU, da ist Potenzial, um die Marktmacht einzelner Konzerne nicht noch weiter wachsen zu lassen.
Der Verein Du-bist-hier-der-Chef organisiert Umfragen zu einzelnen Produkten, in denen Verbraucher*innen selbst über Herkunft, Qualität, Verpackung oder Vergütung für die Landwirt*innen entscheiden – so konzipieren sie die idealen Lebensmittel. Für die Umsetzung werden Partner gewonnen. Einige Produkte sind inzwischen unter dieser Marke in Supermärkten zu finden.
