Klimakrise ist jetzt
Wir müssen längst nicht mehr weit schauen, um die Folgen der Klimakrise zu beobachten – diesmal sind ganze Landstriche in Süddeutschland betroffen. Wieder werden Sandsäcke gefüllt und gestapelt, so viele Menschen sind im Einsatz, zu schützen, was geht, bis an einigen Stellen Menschen aus ihren Häusern gerettet werden müssen, einige davon mit Hubschraubern, weil sie sonst nicht mehr zu erreichen sind. Dafür gehen Menschen an den Rand ihrer Belastbarkeit – und oft genug darüber hinaus. Olaf Scholz hat festgestellt, dass er in diesem Jahr bereits zum vierten Mal ein von Hochwasser betroffenes Gebiet besucht hat. Immerhin hat er die Klimakrise als eine große Herausforderung erkannt. Ein bisschen konkreter muss er schon noch werden, damit die Hungerstreikenden in Berlin endlich wieder Nahrung zu sich nehmen können. Sie fordern, ehrlich zu sein, darin, anzuerkennen, dass es kein CO2-Restbudget mehr gibt, da schon jetzt enorme Mengen zu viel Kohlendioxid in der Luft sind. Sie fordern die Anerkennung der wissenschaftlichen Erkenntnisse und Anstrengungen zu radikalen Maßnahmen.
Doch es hilft trotzdem, den Blick weiterhin auch in die Ferne zu richten. Die schweren Überflutungen in Ostafrika im Frühjahr sind gar nicht so sehr zu uns durchgedrungen, überschattet von all den Berichten über die Kriege in der Ukraine und in Gaza, der erstarkende Zustimmung für Rechtspopulisten bis Rechtsradikalen oder gar Rechtsextremen neben den Überschwemmungen in Deutschland.
Besonders betroffen waren Kenia und Tansania, hier starben mehrere hundert Menschen, viele wurden verletzt. Zehntausende Häuser wurden zerstört, allein in Tansania sind 200.000 Menschen obdachlos. Geröll und Erdrutsche haben einen erheblichen Teil zur Katastrophe beigetragen. Auch der kenianischen Regierung wird vorgeworfen, nicht auf die Warnungen der Wissenschaftler gehört und Vorsorge getroffen zu haben. Ruanda hat nach den Überschwemmungen im letzten Jahr ein Auffangbecken ausgehoben, das zwei Millionen Kubikmeter Wasser aus dem Sebeya-Fluss aufnehmen kann, falls er wieder über die Ufer tritt. Nun interessiert sich auch Kenia für die ruandischen Notfallpläne und Präventivmaßnahmen, die sie seit letztem Jahr ausbauen.
Und hier schließt sich der Kreis: Nocheinmal sei daran erinnert, dass der globale Norden für den übermäßigen Ausstoß von klimaschädlichen Gasen verantwortlich ist. Damit ist er ebenso verantwortlich, für eine radikale Reduzierung – und zwar schnell. Die Mittel dazu gibt es längst.
