Alles hängt mit allem zusammen

Durch internationale Wirtschaftsabkommen werden nationale Handelsschranken überwunden. Grundsätzlich ist das eine gute Idee. Entscheidend ist, wie sich die Abkommen gestalten. Sollte das Mercosur-Abkommen der EU mit Brasilien, Argentinien, Paraguay und Uruguay tatsächlich in dieser Form unterschrieben werden, könnte noch mehr Soja für die Tiermast und Palmöl den Hafen von Brake erreichen. Um den dann nötigen noch größeren Frachtern die Einfahrt in den Hafen zu ermöglichen, muss die Weser vertieft werden, was unter anderem die Flutgefahr steigert und eine erhebliche Gefahr für die Artenvielfalt bedeutet. 

Deshalb haben mehrere NGOs auf der Insel Harriersand gegenüber des Hafens von Brake in Niedersachsen zwischen Bremerhaven und Bremen, ein Protestcamp errichtet. Von hier aus blicken BUND, Robin Wood, Aktion Agrar und die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (ABL) auf Europas größte Speiseölraffinerie, in der vor allem Palmöl verarbeitet wird, außerdem lagern hier im größten Importterminal für Futtermittel bisher 40 Prozent der deutschen Futtermittel – vor allem Soja für die Tiermast. Die Aktivist*innen richten sich gegen Agrarkonzerne, Futtermittelimporte und gegen die Weservertiefung.

Aus Guatemala und Honduras sind AktivistInnen ans Ende der Lieferkette ins Protestcamp gereist, um zu sehen, wofür ihr Trinkwasser verschmutzt wird, der Urwälder abgeholzt und Menschen brutal vertrieben werden für die Ausbreitung der Palmölplantagen. In Harriersand protestieren sie gemeinsam.

Das ist die Verbindung

Die industrielle Landwirtschaft generell und die Tiermast im Besonderen in Europa, die Klima und Umwelt belastet, indem sie das Grundwasser mit ausgeschwemmten Düngern und Pestiziden belastet, Erosion fördert und für einen erheblichen Teil der CO2-Emissionen verantwortlich ist, fußt auf neokolonialem Landraub und Monokulturen im globalen Süden. Für Sojaanbau für die Tiermast in Europa wird der Regenwald immer weiter zerstört. 12 Millionen Hektar Land außerhalb der EU werden mit Exportfrüchten bepflanzt, auf Kosten von Regenwald und der Lebensgrundlage vor allem Indigener, die Gewalt und Vertreibung ausgesetzt sind.

Wenn Konzerne weltumspannend in ihrem Profitinteresse agieren ohne Rücksicht auf Menschen und ihren Lebensraum, egal wo auf dieser Welt, müssen sich auch die Menschen miteinander verbinden, egal wo auf dieser Welt. Die Linien verlaufen nicht national.

Dieser Text bearbeitet einen Teilaspekt aus der komplexen taz-Reportage.

Der Blog macht Sommerpause bis September.