Der Weltladentag am 10. Mai 2025 steht unter dem Motto:
»Schoki fürs Klima? Kauf ich euch ab!«
Kakao-Anbau und Klimawandel
Die Situation im Kakaoanbau zeigt eindrücklich, was passiert, wenn sich in Zeiten des Klimawandels nichts am globalen Handel ändert. Der faire Handel zeigt, was möglich ist, wenn nur der Wille da ist.
Zunächst zur Situation:
Côte d`Ivoire und Ghana sind die größten Kakaoproduzenten Westafrikas. Aus dieser Region kommen 58 Prozent der weltweiten Kakaoernte. In der Folge des Starkregens, angetrieben von El Niño, und anschließender große Trockenheit breiten sich in den Monokulturen Krankheiten und Schädlinge aus. Durch den Klimawandel sind immer weniger Gebiete überhaupt für den Kakao-Anbau geeignet, das gilt ebenso für den Anbau von Lebensmitteln für die Menschen vor Ort.
Die große Armut macht es den Produzent*innen unmöglich, allein alte Bäume durch junge zu ersetzen, geschweige denn, Anbaumethoden anzupassen. Deshalb ist das Durchschnittsalter von Farmern, wie von Bäumen hoch, damit fehlt jungen Menschen eine Perspektive.
Die derzeit hohen Kakaopreise kommen bei den Produzent*innen nicht an.
Laut einer Oxfam-Studie, stehen gerade einmal hinter 4 Prozent der Schokolade in Supermärkten existenzsichernde Preise, eine Selbstverpflichtung des Einzelhandels ist damit gescheitert.
Trotz der hohen Preise können also die Produktionskosten nicht gedeckt werden, von einer 100 Gramm-Tafel Schokolade erhalten die Produzenten 0,08 Euro, während 10 Prozent des Preises der Einzelhandel einstreicht. Die Margen der Produzent*innen bleiben stabil – wer wenig erntet, hat nichts von den hohen Preisen.
In dieser prekären Lage leisten 1,5 Millionen Kinder schwere oder gar Schwerstarbeit und 90 Prozent der Primärwälder von 1990 gingen bis 2015 verloren, damit ein wichtiger Einfluss auf das Klima in der Region.
Mit dem deutschen Lieferkettengesetz müssen Unternehmen Verantwortung übernehmen, doch die neue Regierung will es unter dem Vorwand des Bürokratieabbaus aussetzen, das europäische Lieferkettengesetz wird verschoben.
Dabei sind die Forderungen an die Sorgfaltspflicht der Unternehmen klar:
Es braucht faire und existenzsichernde Preise, faire und langfristige Lieferverträge und Unterstützung bei der Umstellung auf nachhaltigen, klimaresilienten Anbau, wie den Agroforstanbau.
Der INKOTA-Netzwerk e.V. versucht, Farmer*innen eine Stimme zu geben. Im Onlineseminar des Weltladendachverbandes Mitte April hat Juliane Bing, Referentin bei INKOTA, nach vielen Hintergrundinformationen, aufgezeigt, was wir tun können:
Die leichteste Übung ist der Kauf von fairen Produkten.
Unter anderem bei INKOTA können Petitionen unterzeichnet werden, die Druck auf Unternehmen ausüben. Wer selber eine Petition starten will, findet Unterstützung, zum Beispiel auf der Plattform WeAct von Campact.
30.04.2025
16.04.2025
Blumen auf den Ostertischen
Ostern ist nicht nur schokoladenreich, es ist auch Blumensaison. Über die Pestizidbelastung und über die Arbeitsbedingungen in der Blumenproduktion zu schreiben, kann als Spaßbremse gesehen werden, aber nur, wenn es keine Alternativen gäbe. Und die gibt es, das zeigt die Slow-Flower-Bewegung.
Immerhin mehren sich die Menschen, denen nicht egal ist, wie Lebensmittel angebaut werden, die auf unsere Tische kommen. Bei Blumen spielt das noch keine große Rolle – sie werden ja nicht gegessen.
Doch das Bodenleben wird auch hier durch Monokulturen und synthetische Dünger geschädigt, Erosion ist auch hier ein Problem und der Pestizideinsatz unterliegt kaum einer Kontrolle – denn die Blumen werden – wie gesagt – nicht gegessen. Rückstände auf den Blumen werden eingeatmet. Noch immer werden Menschen krank, die auf den Farmen arbeiten, während Pestizide ausgebracht werden.
Wie gut, dass viel mehr Blumen mit Fairtrade Siegel produziert werden, als derzeit verkauft werden. Eine steigende Nachfrage kann also schnell gedeckt werden. Für die Produzenten bedeutet das, dass sie die nicht nachgefragten Blumen nicht mehr zu konventionellen Preisen verhökern müssen und ihre Arbeiter angemessener bezahlen können.
Wäre es nicht schön, wenn wir nicht bei jedem Produkt erst Fragen zu seiner Entstehung stellen müssten? Woher kommt es, wie wurde es produziert, können die Menschen gut davon leben, wird niemand ausgebeutet, wachsen Kinder in einer gesunden Umgebung auf, können sie zur Schule gehen?
So lange ein ökologischer, klimaschützender, fairer Handel entlang der gesamten Lieferkette kein Standard ist, müssen wir diese Fragen stellen. Antworten geben eine Reihe Siegel, wie das Fairtrade Siegel.
02.04.2025
Schoki fürs Klima? Kauf ich euch ab.
Das ist das Motto des diesjährigen Weltladentags am 10. Mai 2025.
Die Klimakrise bedroht den Kakao-Anbau, lässt Ernteerträge sinken, und gefährdet so das Einkommen der Kakaobäuer*innen. Besonders betroffen ist Westafrika – Côte d`Ivoire und Ghana, als Hauptanbauländer. Dürren, Unwetter und Pilzbefall zerstören große Teile der Ernten, deshalb profitieren die Produzenten kaum von den gestiegenen Preisen. Für die Anpassung der Landwirtschaft an die veränderten Bedingungen fehlt das Geld.
Faire Preise für Schokolade helfen, ein gutes Auskommen entlang der Lieferkette zu ermöglichen. Existenzsichernde Preise müssen unabhängig vom Weltmarkt, in Absprache mit den Kooperativen vor Ort vereinbart werden, diese müssen regelmäßig überprüft und angepasst werden. Das geht am besten in einer transparenten, verlässlichen, langfristigen Partnerschaft.
Genau dafür steht der Faire Handel.
Im Kakaoanbau laufen die Krisen unserer Zeit zusammen, darum wird es weitere Blog-Beiträge zu den verschiedenen Aspekten geben.
Derweil sind faire Osternaschereien im Weltladen zu erhalten, die versüßen die Feiertage doch gleich doppelt.
19.03.2025
Licht aus. Stimme an. Für einen lebendigen Planeten.
Das ist das Motto der diesjährigen Earth Hour am 22. März. In diesem Rahmen schalten weltweit Menschen, Unternehmen und Städte rund um den Globus um 20:30 das Licht für eine Stunde aus.
Extreme Wetterereignisse und Hitzerekorde nehmen weltweit zu. Ressourcen und Arten schwinden dramatisch. Mit der Earth Hour will der WWF ein gemeinsames Zeichen für mehr Klima- und Artenschutz setzen. Er appelliert an die gemeinsame Verantwortung für den Planeten und fordert entschlossenes Handeln gegen Klimakrise und Artensterben sowie eine stärkere Unabhängigkeit von Energieimporten. Außerdem braucht es gute und faire Jobs. Denn nur in einer intakten Natur sind Sicherheit, Gesundheit und Wohlstand möglich.
Der WWF Australien startete 2007 die Kampagne als Hinweis auf Energieverschwendung, erweiterte sie bald um den Artenschutzaspekt, denn viele Tiere leiden unter der Lichtverschmutzung.
Die diesjährigen Appelle und Forderungen berücksichtigen die menschlichen Grundbedürfnisse, die nicht ausschließlich militärisch und nicht durch Ausbeutung von Menschen und Natur zu erreichen sind.
Wie lange müssen dafür noch Lichter ausgeschaltet, Petitionen durchgeführt oder muss demonstriert werden, bis Entscheidungsträger Klimaschutz und Vorbereitung auf die Klimakrise nicht mehr als ›nice to have‹ verstehen, worum man sich kümmern kann, wenn die Wirtschaft wieder brummt – mit Verbrennerautos und ohne Wärmepumpen?
05.03.2025
Gemeinsam die Vielfalt des fairen Handels entdecken
Das ist das Motto der diesjährigen Fairen Woche vom 12.-26. September.
Darin steckt die gute Nachricht, dass ein gutes Leben auf einem intakten Planeten möglich ist. Dazu braucht es Vielfalt: biologische Vielfalt, Vielfalt der Menschen und die Vielfalt des Engagements.
Das mühsam errungene und noch junge Lieferkettengesetz auf EU-Ebene soll schon wieder aufgeweicht werden, zusammen mit dem Green Deal, mit der Begründung, zunächst die Wirtschaft zu stärken. Noch immer herrscht die Auffassung vor, fairer Handel und Klimaschutz seien ein Luxus für Zeiten einer starken Wirtschaft. Das bedeutet im Umkehrschluss, Wirtschaft funktioniert nur, wenn Verursacher nicht die Verantwortung für die Folgen übernehmen müssen. Also werden weiterhin Erfolge privatisiert und Verluste sozialisiert.
Und noch eine Binsenweisheit: Menschen verlieren zunehmend ihre Lebensgrundlage, in der Folge reisen die, die es können, ihren Produkten in die reichen Länder hinterher, auf der Suche nach einer Lebensperspektive. Dort sind sie nicht willkommen, stattdessen werden Wege gesucht, diese Menschen außen vor zu halten – und diese Wege sind nicht nur irrsinnig teuer, sie verstoßen zunehmend gegen die universellen Menschenrechte. Das Geld dafür stammt aus Steuern, die die Menschen in den Zielländern bezahlen, die die Erzählung von teuren fairen Produkten übernehmen.
Dem steht die Vielfalt entgegen, und zwar, ökologisch, wirtschaftlich und gesellschaftlich – die Säulen einer demokratischen, fairen und nachhaltigen Welt. Darein zu investieren, statt in fragwürdige Abkommen und Zäune, verspräche eine höhere und sicherere Dividende.
Die Zukunftsaufgabe besteht darin, ein gutes Leben für alle auf einem intakten Planeten zu schaffen. Der Faire Handel ist die bessere Alternative zur bestehenden Wirtschaftsform.
