Fair Handeln – Vielfalt Erleben

Die Vielfalt wird vielfältig bedroht. Die fortschreitende Industrialisierung der Landwirtschaft bedroht zunehmend die Artenvielfalt. Macht konzentriert sich in wenigen Unternehmen. Und die Bedrohung von Rechts wächst. 

Der Faire Handel hat dem etwas entgegenzusetzen. Mit einem breiten Netzwerk von Weltläden, Fairtrade Towns, Kirchengemeinden und Stadtverwaltungen, wo sich Haupt- und Ehrenamtliche für einen wachsenden fairen Handel einsetzen und ihn so bekannter machen und damit eine vielfältige Gesellschaft gestalten.

Daraus entspringt Produktvielfalt, die im fairen Handel mehr ist als Kaffee und Schokolade. Ob Lebensmittel, Gewürze, Tee, Schmuck, Kunsthandwerk, Decken, Kleidung, Taschen und Rucksäcke – ein Blick in den Laden lohnt.

Biodiversität stabilisiert und schützt die Ökosysteme und damit die Lebensgrundlage der Menschheit. Mit einem schonenden Anbau, wie im Agroforst, der sich den Bedingungen der Umgebung anpasst, gelingt das. Damit eine solche verantwortungsvolle Produktionsweise möglich ist, braucht es eine faire Lieferkette, in der alle Beteiligten Verantwortung übernehmen. Das ist lange erprobte Praxis im Fairen Handel.

Es gibt Möglichkeiten, den Bedrohungen etwas entgegenzusetzen. Fair kaufen ist der Anfang. Wer schon mal im Laden ist, kann gleich für faire Bedingungen im Kakaoanbau unterschreiben. Letzteres geht natürlich auch online, dort sind noch mehr Kampagnen zu finden. https://www.inkota.de/mitmachen/appell-unterzeichnen . Wer Lust hat, kann auch gleich mitarbeiten.

Das Forum Fairer Handel mit seinen Kooperationspartnern Fairtrade Deutschland und dem Weltladendachverband ruft deshalb jährlich die Faire Woche in der zweiten Septemberhälfte aus, an der sich Weltläden und all die anderen Akteure mit Veranstaltungen beteiligen, in diesem Jahr also vom 12.-26. September.

Bis dann im Laden.

Alles hängt mit allem zusammen

Durch internationale Wirtschaftsabkommen werden nationale Handelsschranken überwunden. Grundsätzlich ist das eine gute Idee. Entscheidend ist, wie sich die Abkommen gestalten. Sollte das Mercosur-Abkommen der EU mit Brasilien, Argentinien, Paraguay und Uruguay tatsächlich in dieser Form unterschrieben werden, könnte noch mehr Soja für die Tiermast und Palmöl den Hafen von Brake erreichen. Um den dann nötigen noch größeren Frachtern die Einfahrt in den Hafen zu ermöglichen, muss die Weser vertieft werden, was unter anderem die Flutgefahr steigert und eine erhebliche Gefahr für die Artenvielfalt bedeutet. 

Deshalb haben mehrere NGOs auf der Insel Harriersand gegenüber des Hafens von Brake in Niedersachsen zwischen Bremerhaven und Bremen, ein Protestcamp errichtet. Von hier aus blicken BUND, Robin Wood, Aktion Agrar und die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (ABL) auf Europas größte Speiseölraffinerie, in der vor allem Palmöl verarbeitet wird, außerdem lagern hier im größten Importterminal für Futtermittel bisher 40 Prozent der deutschen Futtermittel – vor allem Soja für die Tiermast. Die Aktivist*innen richten sich gegen Agrarkonzerne, Futtermittelimporte und gegen die Weservertiefung.

Aus Guatemala und Honduras sind AktivistInnen ans Ende der Lieferkette ins Protestcamp gereist, um zu sehen, wofür ihr Trinkwasser verschmutzt wird, der Urwälder abgeholzt und Menschen brutal vertrieben werden für die Ausbreitung der Palmölplantagen. In Harriersand protestieren sie gemeinsam.

Das ist die Verbindung

Die industrielle Landwirtschaft generell und die Tiermast im Besonderen in Europa, die Klima und Umwelt belastet, indem sie das Grundwasser mit ausgeschwemmten Düngern und Pestiziden belastet, Erosion fördert und für einen erheblichen Teil der CO2-Emissionen verantwortlich ist, fußt auf neokolonialem Landraub und Monokulturen im globalen Süden. Für Sojaanbau für die Tiermast in Europa wird der Regenwald immer weiter zerstört. 12 Millionen Hektar Land außerhalb der EU werden mit Exportfrüchten bepflanzt, auf Kosten von Regenwald und der Lebensgrundlage vor allem Indigener, die Gewalt und Vertreibung ausgesetzt sind.

Wenn Konzerne weltumspannend in ihrem Profitinteresse agieren ohne Rücksicht auf Menschen und ihren Lebensraum, egal wo auf dieser Welt, müssen sich auch die Menschen miteinander verbinden, egal wo auf dieser Welt. Die Linien verlaufen nicht national.

Dieser Text bearbeitet einen Teilaspekt aus der komplexen taz-Reportage.

Der Blog macht Sommerpause bis September.

Lieferkette ist überall

Die taz schreibt am 03.06.2025: »Kaffee ist teuer«.
Das dürften viele schon gemerkt haben. 

Laut taz ist Kaffee im April `25 um 12,2 Prozent teurer geworden, während die Lebensmittelpreise insgesamt um 2,8 Prozent gestiegen sind.

Wegen des Klimawandels sinken die Erträge, klassische Regionen werden bald nicht mehr für den Anbau geeignet sein – das gilt auch – wie berichtet – ebenso für den Kakaoanbau – und für Lebensmittel für die Menschen vor Ort. In der Folge wandern Arbeitskräfte ab – also Menschen, die Perspektiven für einen sicheren Lebensunterhalt suchen.

Infolge der geringeren Ernten ist Kaffee so knapp auf dem Weltmarkt, dass die Nachfrage die Produktion übersteigen könnte. Dort werden die Preise bestimmt, von denen die Produzenten nichts haben.
Anders als bei Töpfen oder Fahrrädern, können die Kapazitäten nicht einfach hochgefahren werden, wenn die klimatischen Bedingungen die Ursache für den Ernterückgang sind.

Wenn die Erträge nicht sinken sollen, braucht es eine andere Landwirtschaft. Die Bäuerinnen und Bauern müssen auch in der Lage sein, ihre Anbaumethoden an die herrschenden Bedingungen anzupassen, dazu braucht es ganz profan Geld. Das reicht zurzeit meist nicht mal, um alte Bäume zu ersetzen.

Über die Problematik in Honduras und Lösungsansätze wurde an dieser Stelle am 05.02.2025 berichtet. Darin engagieren sich Kooperativen gerade für junge Leute. Sie helfen ihnen bei Krediten, stellen Pflanzen und Gerätschaften zur Verfügung, bieten Fortbildungen an, die den Bioanbau priorisieren.

Solche Initiativen können gut über die Lieferkette gestärkt werden, wie sie im Fairen Handel üblich sind.

Ein guter Green Deal der Europäischen Union, darin ein gutes Lieferkettengesetz hätte das Potenzial für mehr Klimagerechtigkeit und ein besseres Leben für alle.

Das Lieferkettengesetz – eine Erfolgsgeschichte, oder?


2021 beschloss der Bundestag das Lieferkettengesetz, ein Jahr später auch die EU. Nach jahrelangem Einsatz von NGOs, Gewerkschaften, lokalen Akteuren und Kirchen, die sich 2019 in der Initiative Lieferkettengesetz e.V. zusammenschlossen, schien endlich das Ziel erreicht zu sein.

Doch kaum zwei Jahre in Kraft, will Bundeskanzler Friedrich Merz nicht nur das deutsche Lieferkettengesetz wieder abschaffen, er verlangt ebenso, das europäische Gesetz aufzuheben. Unter dem Vorwand des Bürokratieabbaus sollen Unternehmen aus der Verantwortung ihres Handelns für die Achtung der Menschenrechte, der Umwelt und des Klimas gezogen werden. Damit werden die Profite wieder privatisiert und die Folgen unternehmerischen Handelns sozialisiert.

90 Ökonom*innen aus Europa haben für »eine zügige und ambitionierte Umsetzung« der europäischen Lieferkettenrichtlinie plädiert (taz 19.05.2025). Sie kritisieren Abschwächungen, die die EU-Kommission vorgeschlagen hatte, so soll das Lieferkettengesetz hier statt 2027 erst 2028 geschmälert in Kraft treten. Auch von der Leyen geht es mit der Schwächung des Gesetzes um Entlastung der Unternehmen von bürokratischen Pflichten und Wettbewerbsgleichheit europäischer Unternehmen.

Eine Studie des ECCHR (European Center of Constitutional and human Rights e.V.), Brot für die Welt und Misereor zeigt, das Gesetz wirkt, wenn auch nicht stark genug. Die Wirkung wäre zu steigern, indem es konsequent durchgesetzt würde. Nachbesserungsbedarf sehen die Autor*innen allemal.

Ausgerechnet jetzt, da sie die Rückschritte im Green Deal einläutet, Menschenrechte, Nachhaltigkeit und Klimaschutz wieder zur Verhandlungssache erklärt, indem sie mehrere Nachhaltigkeitsgesetze lockern will, darunter die Verschiebung und Schwächung des Lieferkettengesetzes, soll Ursula von der Leyen der Aachener Karlspreis unter anderem wegen ihrer Impulse für den Green Deal verliehen werden.

Protest lässt nicht auf sich warten

Deshalb organisiert die Initiative Lieferkettengesetz e.V. eine Protestaktion in Aachen am 29. Mai um 10:00 auf dem Marktplatz vor dem Rathaus. In der Pressemitteilung des Vereins heißt es: »Mit unserer Protestaktion überreichen wir Ursula von der Leyen symbolisch ihren Wertekompass, den sie auf dem Weg zu einer an Nachhaltigkeit und dem Schutz von Menschenrechten orientierten Wirtschaftspolitik offenbar verloren hat.«

Unter diesem Link kann die dazugehörige Petition unterzeichnet werden.

Eath Overshoot Day – Welterschöpfungstag

Am 3. Mai waren die Ressourcen, die uns die Erde für Deutschland für ein Jahr bereithält, bereits verbraucht. Das rechnet uns das Footprint-Network im Country-Overshoot-Day aus.
Würden die Menschen in allen Ländern leben wie wir, wären fast 3 Erden notwendig, die Rohstoffe zur Verfügung stellen. Da eben nicht alle Menschen so leben wie wir, reichen weltweit betrachtet 1,7 Erden. Das bedeutet, der Welterschöpfungstag fiel im letzten Jahr auf den 1. August. Da bleibt am Ende der Ressourcen noch ein beachtlicher Teil des Jahres übrig. Wo er in diesem Jahr liegt, wird am 5. Juni bekannt gegeben – am World-Environment-Day – also dem Umweltschutztag.

Das Foodprint-Network legt ihren Berechnungen die Datensätze der UN zugrunde, die zwei bis drei Jahre verzögert zur Verfügung stehen, das bedeutet, die vorliegenden Zahlen von 2024 beziehen sich auf Datensätze, die 2022 bez. 2021 erhoben wurden, während der Coutry-Overshoot-Day aus den Daten des World-Overshoot-Day des vergangenen Jahres abgeleitet werden. Gelistet werden nur Länder, die über dem Verbrauchslimit liegen. Das bedeutet für die Indonesier, dass sie ihre Ressourcen am 18. November verbraucht haben, für die Luxemburger dagegen geschah dies schon am 17. Februar. Deutschland rangiert im oberen Drittel dieser Liste.

Die Forderungen an die Politik sind bekannt, müssen aber immer wieder wiederholt werden, in einer Zeit, in der die neue Regierung das längst überfällige Lieferkettengesetz aussetzt und in der EU darauf drängt, es ganz zu streichen:

Es braucht gerechte Lieferketten, die allen Menschen ein gutes Leben sichern. Produzent*innen müssen ein sicheres Einkommen erhalten, das genug abwirft, um in eine nachhaltige Entwicklung investieren zu können. Dazu braucht es langfristige Lieferverträge, sichere Preise und Prämien. So, wie es im Fairen Handel längst gute Praxis ist.

Was wir alle tun können?

Auch das ist bekannt: Wir können Überkonsum vermeiden, Wegwerfprodukte vermeiden, saisonale und regionale Lebensmittel, faire Produkte oder Secondhand kaufen.
So werden Ressourcen geschont, so wird für mehr Fairness gesorgt.