Nicht nur Lebensmittel werden in Ländern des globalen Südens für die europäischen Märkte angebaut, sondern auch Schnittblumen. Anfang des Jahres hat Öko-Test Schnittblumen in Hinblick auf Arbeitsbedingungen, Nutzung von Pestiziden und etwaige Rückstände getestet, darunter auch welche mit Fairtrade-Siegel.
Fairtrade-Rosen
Das Ergebnis ist klar: Menschen auf Fairtrade-zertifizierten Farmen geht es besser. Das liegt daran, dass für Fairtrade der/die Arbeiter*innen im Mittelpunkt steht. Für die Nutzung von Pflanzenschutzmitteln gilt deshalb:
Diese werden ausschließlich von geschultem Personal verwaltet, sicher gelagert und nur in Schutzkleidung ausgebracht. Außerdem gelten strenge Sperrzeiten für die Gewächshäuser. Die Personen, die Pflanzenschutzmittel ausbringen, werden regelmäßig medizinisch untersucht. Dazu gibt es regelmäßige Aufklärung und Trainings zur sicheren Nutzung von Pestiziden, Sperrzeiten sowie Erste-Hilfe-Kurse. Zertifizierte Farmen verpflichten sich, den integrierten Pflanzenschutz anzuwenden und den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln zu reduzieren.
In den großen Monokulturen unter Glas und den Ansprüchen von Handel und Kunden ist ein Anbau ohne Pestizide nicht möglich. Also geht es im Fairen Handel darum, die Arbeitsbedingungen so weit wie möglich zu verbessern. Dazu gibt es die Hazardous Material List (HML), auf der etwa 220 Wirkstoffe gelistet sind, die laut der Genehmigungsbehörden angewendet werden dürfen. Diese Liste wird regelmäßig angepasst. Dazu sollen Nützlinge und mechanische Verfahren genutzt werden, um den Einsatz chemischer Stoffe zu reduzieren.
Wie überall, kann auch hier nicht alles laufen, wie gewünscht. Unter den Rosen, bei denen die Öko-Test-Labore Rückstände von Pestiziden gefunden haben, waren auch solche mit Zertifikat. Fairtrade-Deutschland hat daraufhin bei der Zertifizierungsorganisation Flocert Beschwerde eingelegt, die dieser nun nachgehen muss.
Für den Schnittblumenanbau gibt es einige Dinge zu beachten. So wird immer die gesamte Farm Fairtrade zertifiziert. Doch wegen der zu geringen Nachfrage sind die Farmen gezwungen, bis zu 80 Prozent der Fairtrade-Schnittblumen zu den geringeren konventionellen Preisen zu verkaufen. Dazu erhalten sie für diesen Anteil auch keine Fairtrade-Prämie. Das stellt die Farmen vor große Herausforderungen. Eine höhere Nachfrage ist also umgehend zu bedienen. Das Potenzial ist längst da.
Etwa 85 Prozent der Schnittblumen, die hier in den Blumenläden stehen, werden importiert. Wegen der extrem niedrigen Löhne in der Branche können im Fairen Handel keine existenzsichernden Löhne bezahlt werden. Doch zertifizierte Farmen sind zu einem Basislohn verpflichtet, der regelmäßig angehoben werden muss. Die wichtigsten Ziele sind also, Löhne zu stabilisieren und für anständige Arbeitsbedingungen und Arbeitsschutz zu sorgen. Wer beim Blumenkauf auf das Fairtrade-Siegel achtet, hilft den Farmen und ihren Mitarbeitern zu ein wenig mehr Sicherheit.
Rosen bei Öko-Test
https://www.fairtrade-deutschland.de/service/newsroom/news/details/rosen-test-in-oeko-test-bessere-arbeitsbedingungen-durch-fairtrade-10741